Evangelische Kirche fordert menschenwürdigen Familiennachzug

Familie gehören zusammen

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat am Donnerstag (29. November) ihre Position für eine menschlichere Flüchtlingspolitik bekräftigt. Einstimmig verabschiedeten die 140 Delegierten auf der in Frankfurt am Main tagenden Kirchensynode ein Positionspapier, das unter anderem die bisherige Verhinderung der Familienzusammenführung scharf kritisiert.
So müsse das „verbriefte Recht“ für den Nachzug von Familienangehörigen für alle international Schutzberechtigten gelten, heißt es in dem Synodenwort. Die Aussetzung des Anspruchs auf Familiennachzug für subsidiär Geschützte habe zu belastenden Trennungszeiten geführt. Auch die Neuregelung in diesem Jahr habe in der Praxis nicht für Abhilfe gesorgt. Gerade für Menschen auf der Flucht sei das Zusammensein der Familie elementar und ein „wesentlicher Faktor der Integration“. Entsprechend fordert die EKHN-Synode die Bundesregierung, die Landesregierungen und die Ausländerbehörden auf, den Familiennachzug für alle Schutzberechtigten mit Vorrang zu ermöglichen und die dafür notwendigen Kapazitäten bereit zu stellen.

Integrationsförderung und Sponsorengewinnung
Kritisch sieht die Synode auch den zunehmenden Druck auf Geflüchtete bereits während noch laufender Asylverfahren, in das Herkunftsland zurückzugehen. Stattdessen sollten Integrationsprojekte besser gefördert und weniger Druck zur Ausreise gemacht werden. „Wer will, dass sich Flüchtlinge integrieren, muss ihnen vermitteln, dass sie gewollt sind“, so die Synode. „Eine Rückkehr, die freiwillig ist, wo Menschen also wählen können, ob sie gehen oder bleiben wollen, unterstützen wir“, heißt es weiter. Zugleich begrüße die Synode eine Ausweitung der Flüchtlingsaufnahmeprogramme (Resettlement) der Bundesregierung einschließlich der Planungen für ein Pilotprojekt für ein Sponsorenprogramm. Damit könne Flüchtlingen ein sicherer und regulärer Weg zum Schutz eröffnet werden. In ihrem Papier bittet die Synode Kirchengemeinden und Dekanate auch darum zu prüfen, wie sie sich als Sponsoren beteiligen oder Sponsoren gewinnen können.

Keine Abschiebungen nach Afghanistan
Darüber hinaus fordert die Synode, dass angesichts der „katastrophalen Lage“ in Afghanistan keine Menschen mehr in das Land abgeschoben werden. Zudem müsse die Seenotrettung im Mittelmeer wieder ermöglicht werden. Die Synode fordert in ihrem Papier erneut „die Einrichtung einer effektiven zivilen europäischen Seenotrettung, die Schaffung sicherer Wege und großzügige humanitäre Aufnahmeprogramme für Flüchtlinge sowie die Gewährleistung des Zugangs Schutzsuchender zum individuellen Recht auf Asyl in Europa“. Zudem sollten die Bundesländer künftig unabhängige Flüchtlingsberatungsstellen stärker finanzieren.

Hilfspaket über 20 Millionen Euro bis 2025
Über 20 Millionen Euro hat die hessen-nassauische Kirche seit 2014 für die Flüchtlingshilfe bereitgestellt; wie aus dem auf der Synode vorgestellten Bericht zum Stand der Arbeit mit Geflüchteten hervorgeht. Dazu gehören unter anderem fast 300 Projekte, die aus einem speziellen Fonds mit einem Volumen von 1,3 Millionen Euro gefördert werden. Darunter waren Projekte zur Unterstützung einer Willkommens- und Aufnahmekultur in Gemeinden und Dekanaten vor Ort, aber auch der Aufbau von Begegnungscafés oder die Förderung von Fortbildungsreihen. Hinzu kommen beispielsweise Mittel für die hessenweite unabhängige Flüchtlingsberatung mit rund 7 Millionen Euro oder rund 2,2 Millionen Euro für die professionelle Koordination und Fachberatung der Arbeit. Über fünf Millionen Euro sind bis 2020 außerdem für die Flüchtlingsarbeit in den Kindertagestätten der EKHN veranschlagt. Dazu gehören etwa zusätzliche Stellenanteile für die Förderung von Kindern Geflüchteter.

Provozierende Postkartenaktion zu Weihnachten
Am Rand der Synodentagung in Frankfurt wurde am Donnerstag auch eine Postkartenaktion vorgestellt, die das Schicksal Geflüchteter besonders in den Blick nimmt. Mit einer gemeinsamen Initiative wollen die Diakonie Hessen, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau sowie die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck zum diesjährigen Advent erneut auf bildhafte Weise dazu ihren Standpunkt klarstellen: „Familien gehören zusammen!“ In ähnlicher Form gab es die Aktion bereits 2017, die wegen des anhaltenden Interesses neu aufgelegt wurde. Im Zentrum der Initiative steht eine gegenüber dem vergangenen Jahr überarbeitete Postkartenserie mit fünf besonderen Weihnachtsmotiven. Sie zeigen jeweils traditionelle Krippenbilder, bei denen einzelne Figuren der „Heiligen Familie“ symbolhaft durch einen Vorhang aus Paragraphen getrennt sind. Dies soll zum Nachdenken über das Thema Familiennachzug anregen. Daneben findet sich ein erläuternder Text, der auf die dramatische Situation vieler Geflüchteter hinweist, die teilweise über Jahre hinweg von ihren Angehörigen getrennt bleiben müssen. Kirche und Diakonie fordern mit der Aktion „Familien gehören zusammen!“, dass allen Schutzberechtigten erlaubt wird, ihre Angehörigen nachzuholen. Zudem soll die Familienzusammenführung beschleunigt und in anderen europäischen Ländern gestrandeten Familienmitgliedern die Einreise zeitnah ermöglicht werden. Der Schutz der Familie sei ein Grundrecht und gelte auch für Geflüchtete, heißt es auf den Postkarten.Die fünf erhältlichen Motive sind zu Sets gebündelt und kostenlos bestellbar per Mail unter info@ekhn.de

https://www.ekhn.de/ueber-uns/aufbau-der-landeskirche/kirchensynode/berichte/detailsarchiv/news/evangelische-kirche-fordert-menschenwuerdigen-familiennachzug.html

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Online-Adventskalenders, 2018 mit dem Thema „Kirchenasyl“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unsere Grüße in der Adventszeit – Zeit der Besinnung und Umkehr – haben auch in diesem Jahr eine besondere Gestalt:

Sie kommen wieder in Form eines Online-Adventskalenders, 2018 mit dem Thema „Kirchenasyl“. Wir laden Sie ein, jeden Tag ein Türchen zu öffnen. Sie werden 24 Blicke auf Kirchenasyle von Geflüchteten, Unterstützer*innen, aus Gemeinden und von Pastor*innen, lesen können.

Alle Erzähler*innen leben hier im Norden als unsere Nachbarinnen und Nachbarn.

www.kirchenasyl-adventskalender.de

Wir freuen uns, wenn Sie den Adventskalender weit verbreiten – online (per Mail, auf Ihrer Website, in den Social Media) und in Gesprächen. Vielleicht teilen Sie auch die Einschätzung, die sich daraus ergibt: Wir werden uns weiter für den Schutz von Geflüchteten in besonderen Notlagen einsetzen – auch mit Kirchenasylen!

Mit herzlichen Adventsgrüßen, Ihre Flüchtlingsbeauftragte Dietlind Jochims

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Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland
Arbeitsstelle Ökumene – Menschenrechte – Flucht – Friedensbildung

Pastorin Dietlind Jochims
Flüchtlingsbeauftragte

Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg
Tel.: +49 40 369 002 – 62
Mobil: +49 151 141 187 15
Fax: +49 40 369 002 – 69

dietlind.jochims@oemf.nordkirche.de

www.hamburgasyl.de

www.kirchenasyl.de

Herzliche Einladung zum Monatstreffen 19. Nov. 2018

Bei aller Alltagshektik brauchen wir auch Momente des Durchatmens, der Ruhe für den gemeinsamen Austausch über unsere vergangenen Aktivitäten und zukünftigen Aufgaben.


Ich möchte deshalb zum Monatstreffen vom „Helferkreis Asyl Worms e.V.“ einladen:

Montag, 19. November, 19 Uhr im Cafe International, Kriemhildenstraße 6

Als Tagesordnung schlage ich vor:

  • Berichte zu eigenen Veranstaltungen, Kooperationen, …
  • Wormser Ausländerbehörde: Praxisbeispiele für Abschiebungen + „freiwillige Ausreisen“
  • Integrationspauschale
  • Unterbringung von (anerkannten) Flüchtlingen in Sammelunterkünften des ASB
  • Erfahrungen beim „Familiennachzug“
  • VA „Mietrecht für Flüchtlinge“ am 6.12., 18 Uhr mit RA Dangmann
  • Verschiedenes (u.a.: Finanzen, Fortbildung mit RA Leuschner, „Oasen-Tag“, ..)

Selbstverständlich können weitere Themen eingebracht werden. Interessierte – deutsche und geflüchtete – Gäste sind ebenso wie unsere FreundInnen vom „Cafe-Team“, der Malgruppe und vom Frauentreff sind herzlich willkommen.

Mit freundlichem Gruß, Angelika Wahl (Vorsitzende vom Helferkreis Asyl Worms e.V.) (06241 499 0120)

 

www.asylworms.de  https://www.facebook.com/asylworms/

6. Dez. 2018, Endlich eine eigene Wohnung mit RA Dangmann

endlich-whg-arabisch

Ugu danbayn guurigaaga !
Magangelyo doonka in badan ku noola guri ay.
Kijada, Musqusha, iyo qolka Jiifku qof kale ama qaar kale la wadagaan ay tahay.
Ee aan ku qanacsayn ? Sidee Guri lagu helikara? Maxay tahay heshiis kiro marka la galayo in la iska ilaaliyo? Intee qiimaha kiradu ugu sarayn noqon karaa? Siday maxa tahay (nebenkosten) lacagta qashinka iyo biyaha? Maxaad samayn karta hadii uu ku dhaho mulkiilaha guriga ka guur guriga ?Kuwan iyo suaale kale ayuu raba in uu inooga jawaabo Garyaqaan (loyar) Herr Dangmann (Deutscher Mieterbund) Laanta kirada ee jarmalka. Habeen ka warbixin ta Maganelyo doonka iyo kuwa jarmalka ah ee caawiyaba.
Goorma? 6 Diisanber 2018, 18 saac ilaa 19:30
Goobta? Dreifaltigkeitsgemeinde, Adanauerring 3
Helferkreis Asyl Worms ´e.V. www.asylworms.de
Dhiirigelungta waxa iska leh Wasaarada qoyska, haweenka, dhalinyarada, isdhexgalka iyo difaaca macaamiisha.

Endlich eine eigene Wohnung !
Welcher Flüchtling, der lange sein Zimmer, die Küche, das Bad… mit anderen Menschen teilen musste, wünscht sich das nicht?

Wie findet man eine Wohnung? Was muss man bei einem Mietvertrag beachten? Wie hoch darf die Miete sein? Wie ist das mit den Nebenkosten? Was tun, wenn der Vermieter die Wohnung kündigt?

Diese und weitere Fragen will Rechtsanwalt Dangmann (Deutscher Mieterbund) bei unserem Informationsabend für Flüchtlinge und ihre deutschen Unterstützer beantworten.

Wann?            Am 6. Dezember 2018, 18 Uhr bis 19.30 Uhr

Wo?                Dreifaltigkeitsgemeinde, Adenauerring 3

Helferkreis Asyl Worms e.V. www.asylworms.de

gefördert vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz

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22. 11.2018 Asylrecht für Fortgeschrittene: Hochkarätige Fortbildung mit RA Leuschner

„Asylrecht für Fortgeschrittene“

Für Ehrenamtliche und Hauptamtliche in der Flüchtlingsarbeit mit soliden Vorkenntnissen

Am 22. 11.2018 von 10:00 bis 16:00 Uhr im „Roten Haus“ Römerstraße 76 in 67547 Worms

Aktuelle Themen aus dem Asylrecht:

(Möglichkeiten für Flüchtlinge nach negativ abgeschlossenem Asylverfahren- Passbeschaffung – Ausbildungsduldung – Dublin/Drittstaat – Widerruf der Aufenthaltserlaubnis.)

Eine Fortbildung mit Rechtsanwalt Dr. Jonathan Leuschner 

Jonathan Leuschner ist Fachanwalt für Migrationsrecht in Frankfurt am Main (https://www.ra-leuschner.de/, )

Unkostenbeitrag 10 Euro für Ehrenamtliche und 30 Euro für Hauptamtliche.

Anmeldungen bis 15.11.2018 an: anmelden@asyl-rlp.org,

In Kooperation mit dem Helferkreis Asyl Worms e.V. und dem Diakonischen Werk Worms – Alzey

 

AKTIV FÜR FLÜCHTLINGE RLP

AK Asyl – Flüchtlingsrat RLP e.V.

Leibnizstraße 47

55118 Mainz

Tel. 06131 4924736

 

Eine weitere Empfehlung: Stephan Hocks, Jonathan Leuschner: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, https://www.socialnet.de/rezensionen/21806.php:

Pressemeldung: Erklären Sie Worms zu einem sicheren Hafen

Worms sicherer Hafen Unterschriftenübergabe an OB Kissel

Der Helferkreis Asyl Worms e.V. machte im August 2018 mit einer Mahnwache in der Innenstadt darauf aufmerksam, dass seit 2014 mehr als 17 000 Flüchtlinge auf ihrer Flucht nach Europa im Mittelmeer ertranken. Die Aktivisten protestierten gegen die Schließung von Häfen in Italien und Malta, die Festsetzung der Aquarius, der lifeline, der Seawatch und anderen Schiffen von Nichtregierungsorganisationen, die in den vergangenen vier Jahren mehr als 80 000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet hatten.

Bei Veranstaltungen sammelte die Wormser Flüchtlingsinitiative Unterschriften unter einen „Offenen Brief“ an den Wormser Oberbürgermeister und Stadtrat, in dem es heißt:
Mehr als ein Dutzend europäischer Kommunen wollen dem Sterben im Mittelmeer nicht tatenlos zusehen und erklärten sich zu solidarischen Städten. Sie wollen Geflüchtete freiwillig aufnehmen, die auf ihrer Flucht übers Mittelmeer in Seenot gerieten und gerettet wurden. In Deutschland haben sich bisher Berlin, die Bundesländer Brandenburg und Schleswig Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz dazu bereit erklärt. … Wir bitten Sie: erklären Sie auch Worms zu einem sicheren Hafen!

Am Samstag, 3.11. überreichte eine Delegation des „Helferkreises Asyl Worms e.V.“ Oberbürgermeister Herrn Kissel am Rande des „Marktfrühstücks“ der SPD auf dem Obermarkt das Schreiben, das mehr als 370 Menschen aus Worms unterzeichneten, darunter Mitarbeiter der Stadtverwaltung, hauptamtliche BeraterInnen der Diakonie und Caritas, Pfarrer und auch viele Flüchtlinge, die selbst eine lebensgefährliche Flucht hinter sich haben und Zuflucht in Worms fanden.

Einige von ihnen standen bei der Übergabe der Unterschriftenlisten zum persönlichen Gespräch bereit. Angelika Wahl, Vorsitzende vom Helferkreis Asyl Worms überreichte Herrn Kissel neben der Unterschriftensammlung auch das selbstgemalte Bild eines 19 jährigen afghanischen Künstlers, auf dem eine Flüchtlingsfrau mit einem Baby im Arm auf einem Boot im Meer zu sehen ist.

Herr Kissel zeigte sich beeindruckt und erklärte, dass er zur Aufnahme von schiffbrüchigen Flüchtlingen bereit sei.

„Der Pianist aus den Trümmern“ Pressemeldung von Ulrike Schäfer

Zu finden in der Wormser Zeitung https://www.wormser-zeitung.de/lokales/worms/nachrichten-worms/der-pianist-aus-den-trummern-spielt-in-worms_19136526 Foto: photoagenten/Alessandro Balzarin

2015 war Aeham Ahmad aus Syrien nach Europa geflüchtet. Heute setzt sich der 30-jährige Musiker weltweit musikalisch und lyrisch für Solidarität und Menschlichkeit ein.

WORMS – Ein Blatt mit der ersten Strophe der von Beethoven vertonten Schiller-Ode „An die Freude“ findet jeder Besucher auf seinem Platz im Dreifaltigkeitssaal. Aeham Ahmad, Star des Abends, eingeladen vom Helferkreis Asyl, hatte 2015 den erstmals verliehenen Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion bekommen, weil er mit seiner Musik in seiner Heimatstadt Damaskus Hoffnung verbreitet habe. Heute setzt er in Tokio, Paris, Rom, Brüssel, Amsterdam, Genf und an vielen weiteren Orten, Zeichen für Menschlichkeit und solidarisches Miteinander: „Ich will mit meiner Musik eine Brücke bauen“, strahlt der quirlige 30-Jährige. An jenem Abend baut er sie in Worms.

Kraftvoll greift er in die Tasten des Flügels, rast in wilden Läufen auf und ab, baut kleine, fast beschwingte Melodien ein, zupft auch mal die Saiten des Instruments und schlägt krachend aufs Holz. Dazu singt er in langgezogenen Tönen Lieder, deren Inhalt sich nur erahnen lässt.

Zwischen diesen musikalischen Explosionen liest Fabio vom Helferkreis Asyl Teile aus Ahmads erstem Buch „Und die Vögel werden singen“, das im Fischer Verlag erschienen ist. Ahmad erzählt darin von seiner Kindheit in Yarmuk, dem riesigen Flüchtlingslager am Stadtrand von Damaskus. Sein blinder Vater, der nie eine Zeile gelesen hat, erwirkt, dass der Sohn an einer Eliteschule Klavier spielen lernt. Nicht immer gefällt es dem Jungen zu üben, und der Vater lässt sich eine Menge einfallen, damit er bei der Stange bleibt. Unter anderem holt er die Fußballfreunde des Sohnes nach Hause, damit Aeham ihnen vorspielt und auch von ihnen Wertschätzung für sein Tun erntet. Aeham spielt den staunenden Jungen „Für Elise“ vor. Die „Elise“ in einer Version, die wohl auch Beethoven Freude bereitet hätte, bekommt das Publikum dann auch prompt zu hören; sie geht über in die „Neunte“, nun dürfen alle mitsingen, erst recht dann bei dem Freiheitslied „Die Gedanken sind frei“.

APPELL

Angelika Wahl, Vorsitzende des Helferkreises Asyl, appelliert an die Besucher, den Aufruf zur Seenot-Rettung für Geflüchtete zu unterschreiben. Er soll dem OB am 3. Dezember übergeben werden.

Ahmad spricht in seinem Buch vom Schrei nach Freiheit, vom zivilen Aufstand gegen Willkür, Folter, Ungerechtigkeit, der 2010 in Tunesien begonnen und sich von dort dominoartig ausgebreitet habe. Die Konsequenz war die Blockade von Yarmuk, es gab keinen Strom, kaum Wasser, die Bevölkerung hungerte, Menschen starben. Dann fielen die Bomben.

Das Foto, auf dem der junge Pianist in den Ruinen von Damaskus Klavier spielt, ging um die Welt. Er habe in dem Lied, das er damals komponiert habe, der „Höllenfahrt in den Abgrund“ eine Melodie geben wollen, sagt er und lässt die Zuhörer auch heute durch seine Musik teilhaben an dem verzweifelten Gefühl seiner Verlorenheit.

Ende 2015 verlässt er schweren Herzens seine Frau und die Söhnchen und macht sich auf den gefährlichen Weg nach Europa. Das überladene Schlauchboot kentert. Weil er dank seines Vaters schwimmen gelernt hat, erreicht er das rettende Ufer. Eindringlich vermittelt er auch dieses dramatische Erlebnis in unruhig-beklemmender Musik.

Ahmads Geschichte geht gut aus. Er wird in Deutschland als Flüchtling anerkannt, sein Talent wird entdeckt und gefördert, er hat bald genug Geld, um seine Verwandten in Syrien zu unterstützen, und endlich, 2016, kann er auch seine Frau und seine Kinder nachholen. Nun will er weitergeben, was er erlebt hat, und sich einsetzen für andere. In einem temperamentvollen englischen Kurzvortrag spricht er von der hoffnungslosen Lage vieler Flüchtlinge, die auf engstem Raum zusammenleben müssen, nicht arbeiten, ihre Familien nicht nachholen dürfen.

Deutschland allein könne nicht helfen, weiß er. Bei allen Konzerten beschwöre er deshalb seine Zuhörer, Menschen in Not aufzunehmen und zu integrieren. Das Publikum im proppenvollen Dreifaltigkeitssaal zeigt ihm mit stehendem Applaus, dass er nicht allein ist mit seiner Meinung.

Einladung zum Monatstreffen am 15.10.2018, 19:30 Uhr Worms Café International

Monatstreffen

Montag 15. Oktober findet das Monatstreffen vom Helferkreis Asyl Worms e.V. im Cafe International, Kriemhildenstraße 6 statt. Ausnahmsweise beginnt die Sitzung erst um 19.30 Uhr, weil von 19 Uhr bis 19.30 eine Arbeitsgruppe das Konzert und die Lesung mit Aeham Ahmad (21. Oktober, 18 Uhr) vorbereitet.

Als Tagesordnung für das Monatstreffen schlage ich vor:

  • Berichte über vergangene Aktivitäten
  • Rückforderungen von Demokratie Leben e.V. ???
  • Aktuelle Abschiebungsandrohungen in Worms
  • Unterschriftensammlung „Worms –sicherer Hafen“
  • Zukünftige Veranstaltungen
  • Verschiedenes

Selbstverständlich können weitere Themen eingebracht werden. Interessierte Gäste sind herzlich willkommen. Die Einladung kann gern weiterverbreitet werden.

Mit freundlichem Gruß, Angelika Wahl

www.asylworms.de

https://www.facebook.com/asylworms/

Aeham Ahmad kommt nach Worms!

2018-10-21_Flyer-Konzert-und-Lesung-mit-Aeham-Ahmad-in-Worms

„Der Pianist aus den Trümmern“ – „ Der Pianist, der durch die Hölle ging“

so wird der syrisch-palästinensische Pianist und Beethoven-Preisträger Aeham Ahmad von der internationalen Presse häufig bezeichnet.

Er spielte 2014 – trotz, oder gegen Hunger und Bomben – Klavier auf den Straßen von Jarmuk, einem Flüchtlingslager nahe Damaskus, er sang mit Kindern, um ihre Angst zu lindern und ihnen ein wenig Freude zu schenken.

Der Pianist, der Assad die Stirn bietet, Spottlieder gegen Fassbomben, Kunst gegen Gewalt – ein Triumph der Schönheit über Zerstörung„, schreibt er in seiner Biografie „Und die Vögel werden singen“, die mittlerweile in fünf Sprachen übersetzt wurde. Mit Mozart und Beethoven gegen Terror und Krieg – das konnte der IS nicht ertragen, überschüttete das Klavier mit Benzin und zündete es an. „Es ist egal, dass dessen Leute mein Klavier abgefackelt haben. Syrien war schon vorher in Brand gesetzt worden.“ kommentiert Aeham Ahmad.

Als Jarmuk von Assads Armee abgeriegelt wird, als eine Hungerblockade vielen Nachbarn und Freunden das Leben kostet, als sein Bruder ohne Angaben von Gründen im Gefängnis verschwindet, als Aehams Ahmads Wohnung zerstört wird und der Alltag sich nicht mehr um Mozart, sondern nur noch ums Überleben dreht, flieht er 2015 aus Syrien. Nach einem Schiffbruch im Mittelmeer, bei dem viele seiner Leidensgenossen ertrinken, schafft er es auf der Balkanroute nach Deutschland. Mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen lebt er nun in Wiesbaden in Sicherheit und fühlt sich zu Hause.

Mit zahlreichten Konzerten und Lesungen im In-und Ausland u.a. in Rom, London, Paris und Tokio versucht er, der Sehnsucht nach Frieden und einem solidarischen Miteinander eine musikalische Stimme zu geben.

Am Sonntag, 21. Oktober, 18 Uhr wird Aeham Ahmad im Saal der Dreifaltigkeitsgemeinde, Adenauerring 3, Worms auftreten.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

Die Veranstaltung vom Helferkreis Asyl Worms e.V.wird vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz gefördert.

Den Flyer zum weiter verteilen finden Sie hier..