Presse-Erklärung vom 22.05.2017 Helferkreis Asyl Worms e.V.

Justitia

Der Helferkreis Asyl Worms bittet die Wormser Ausländerbehörde:

Unterlassen Sie bis auf Weiteres die Beratung von afghanischen Flüchtlingen zur freiwilligen Rückkehr nach Afghanistan !

Eine solche Beratung kostet personelle Ressourcen der Behörde auf Kosten der Steuerzahler, ist angesichts der Sicherheitslage in Afghanistan unverantwortlich und löst Ängste bis hin zu Suizid-Gedanken aus!

Nicht nur der Mord an einer Deutschen und einem Wachmann, die Entführung einer Finnin mitten in Kabul durch Taliban, der tödliche Anschlag auf 20 afghanische Polizisten am Sonntag, 21.05.2017 zeigen , wie fragil die Lage in diesem seit vielen Jahren zerrütteten Land ist. Im aktuellen Lagebericht des Auswärtigen Amtes werden am 21. Mai 2017 als weitere Beispiele aufgeführt.

„Am 21. April 2017 fand ein Angriff auf das afghanische Armeelager „Camp Shaheen“ in Masar-e Scharif statt; Opferzahlen sind noch nicht abschließend geklärt; bislang wird von über 140 Toten und vielen Verletzten ausgegangen.

Am 8. März 2017 verübte die Terrorgruppe ISIS einen schweren Anschlag auf das Militärkrankenhaus in Kabul, bei dem Dutzende Menschen ums Leben kamen.

Bei zwei offenbar koordinierten Anschlägen in der Nähe des afghanischen Parlaments sind am 10. Januar 2017 mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die Taliban haben sich zur Tat bekannt. Am gleichen Tag fand ein Anschlag auf den Gouverneur der afghanischen Provinz Kandahar statt. Unter den Opfern befanden sich auch Diplomaten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Am 10. November 2016 wurde das deutsche Generalkonsulat in Masar-e Scharif im Norden Afghanistans angegriffen und weitgehend zerstört; die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Der Anschlag kostete mindestens sechs Afghanen das Leben, über 120 Menschen im Umfeld des Generalkonsulats wurden verletzt.“

Weiter heißt es in diesem Bericht: …

„Wegen immer wieder und in vielen Landesteilen aufflammender Kämpfe zwischen afghanischen Sicherheitskräften und vor allem den Taliban, aber auch dem regionalen Ableger des sogenannten Islamischen Staats, ist die Sicherheitslage in großen Teilen des Landes unübersichtlich und nicht vorhersehbar. Reisende können daher jederzeit und ohne selbst beteiligt zu sein in lebensbedrohende Situationen geraten. Außerdem kann es

landesweit zu Attentaten, Überfällen, Entführungen und anderen Gewaltverbrechen kommen.“

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die Bedrohungen längst erkannt und schiebt lediglich Straftäter nach Afghanistan ab.

Vor diesem Hintergrund ist es unsinnig, selbst den afghanischen Flüchtlingen eine persönliche Einladung zur Rückkehrberatung bei der Ausländerbehörde zu schicken, deren Asylverfahren noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist oder die über eine Ausbildungsduldung verfügen, arbeiten und unabhängig von Sozialhilfe, gut integriert sind.

Sollten afghanische Flüchtlinge eine kostenfreie Beratung benötigen, so können sie sich an die hauptamtlichen Migrationsberatungsstellen wenden oder bei der Erstberatung im Cafe International, Kriemhildenstraße 6, Worms nachfragen: jeden Mittwoch 17 Uhr bis 19 Uhr

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